Neues aus dem Bürgermeisterbüro (10. Juli 2026)

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

in den vergangenen beiden Wochen gab es wieder viele Gespräche, Termine und Begegnungen. Einige Themen werden derzeit besonders intensiv diskutiert. Deshalb möchte ich zunächst auf zwei Punkte eingehen, die viele Menschen bewegen.

🚲 Pilotprojekt am Altrheinufer: Erfahrungen sammeln und gemeinsam auswerten

Die Neugestaltung des Altrheinufers sorgt derzeit für viele Rückmeldungen – positive wie kritische. Das ist verständlich, denn Veränderungen an einem so beliebten Ort betreffen viele Menschen unmittelbar.

Mir ist deshalb wichtig zu betonen: Es handelt sich bewusst um eine einjährige Testphase. Ziel ist es, mit überschaubarem Aufwand Erfahrungen zu sammeln, bevor über dauerhafte Maßnahmen entschieden wird. Während dieser Zeit werden die Auswirkungen genau beobachtet und gemeinsam mit Fachleuten, der Arbeitsgruppe Altrheinufer, den Anliegern sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern ausgewertet.

Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Ziele: mehr Verkehrssicherheit und eine höhere Aufenthaltsqualität am Altrhein. Die jetzt eingerichteten Bremsschwellen für Radfahrende wurden beispielsweise gemeinsam mit Fachleuten der Hochschule Darmstadt ausgesucht und auch vom ADFC mitgetragen. Selbstverständlich werden alle Erfahrungen aus dem Probebetrieb in die weitere Bewertung einfließen. Wo Anpassungen sinnvoll sind, werden diese auch vorgenommen.

🏛️ Grundsteuer und kommunale Finanzen

Die angekündigte Erhöhung der Grundsteuer beschäftigt derzeit ebenfalls viele Bürgerinnen und Bürger. Ich kann den Unmut darüber gut nachvollziehen. Gleichzeitig möchte ich erläutern, warum viele Städte und Gemeinden – auch im Kreis Groß-Gerau – inzwischen zu diesem Schritt gezwungen sind.

Die finanzielle Situation der Kommunen hat sich in den vergangenen Jahren massiv verschärft. Deutlich gestiegene Energie- und Sachkosten sowie höhere Umlagen belasten die Haushalte erheblich. Hinzu kommen steigende Personalkosten infolge der Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst – allerdings nicht, weil mehr Personal eingestellt wurde, sondern weil die Beschäftigten, wie in allen anderen Bereichen auch, einen Ausgleich für die gestiegenen Lebenshaltungskosten erhalten haben. Gleichzeitig übernehmen die Kommunen immer mehr Aufgaben, vielfach mit dem gleichen Personalbestand wie bisher.

Die Möglichkeiten, an anderer Stelle zu sparen, sind inzwischen weitgehend ausgeschöpft. Viele Einsparmaßnahmen wurden bereits umgesetzt, Verwaltungsabläufe digitalisiert, Energieeinsparungen vorangetrieben, Investitionen zur Senkung des Energieverbrauchs auf den Weg gebracht und die interkommunale Zusammenarbeit kontinuierlich ausgebaut.

Dennoch reicht all das inzwischen nicht mehr aus, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Die Alternative wären spürbare Einschnitte bei freiwilligen Leistungen – etwa in der Seniorenarbeit, bei der Ferienbetreuung unserer Kinder oder in der Vereinsförderung. Diesen Weg halte ich für den falschen, zumal er auch nur geringe Auswirkungen hätte.

Dabei steht Ginsheim-Gustavsburg keineswegs allein. Zahlreiche Kommunen im Kreis haben ihre Hebesätze bereits deutlich erhöht oder planen vergleichbare Schritte. Das eigentliche Problem liegt deshalb tiefer: Bund und Land müssen die Kommunen dauerhaft besser ausstatten, wenn sie ihnen immer neue Aufgaben übertragen.

Aus diesem Grund bin ich in dieser Woche gemeinsam mit den Bürgermeisterkolleginnen und -kollegen des Kreises nach Berlin gereist. Dort haben wir die Gelegenheit genutzt, mit Verantwortlichen aus Bundes- und Landespolitik über die zunehmend prekäre Finanzlage der Kommunen zu sprechen. Unser gemeinsames Ziel ist klar: Städte und Gemeinden brauchen eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung, damit sie ihre gesetzlichen Aufgaben erfüllen können, ohne die Bürgerinnen und Bürger immer stärker belasten zu müssen.

🤝 Gemeinsam stärker durch Zusammenarbeit

Gerade weil jeder Euro verantwortungsvoll eingesetzt werden muss, gewinnt die interkommunale Zusammenarbeit immer mehr an Bedeutung. Gemeinsam mit den Städten und Gemeinden im Kreis nutzen wir seit vielen Jahren Synergieeffekte, um Leistungen wirtschaftlicher zu organisieren und Kosten zu senken.

Aktuell beschäftigen wir uns mit der zukünftigen Organisation des Archivwesens. Für unsere Stadt kommt dieser Austausch genau zum richtigen Zeitpunkt. Nach dem Tod unseres langjährigen Stadtschreibers und Heimatforschers Hans-Benno Hauf müssen wir die Weichen für die Zukunft neu stellen. Das erste Treffen hat bereits gezeigt, dass wir durch die Zusammenarbeit mit unseren Nachbarkommunen fachlich wie wirtschaftlich gute Lösungen entwickeln können.

❤️ Ehrenamt braucht Hauptamt

Auch die Initiative „Engagierte Stadt“ entwickelt sich weiter. Gemeinsam haben wir darüber beraten, wie das ehrenamtliche Engagement in unserer Stadt künftig noch besser unterstützt werden kann. Unter anderem spielt die Gründung eines entsprechenden Vereins eine Rolle.

In den Blick genommen wurde auch die zukünftige Seniorenarbeit. Ich freue ich mich, dass die Stadtverordnetenversammlung in ihrer letzten Sitzung beschlossen hat, eine hauptamtliche Koordinierungsstelle in unserer Verwaltung einzurichten, die die Koordination von Angeboten, Netzwerken und Ehrenamt übernimmt. Damit wird ein wichtiger Punkt aus dem aktuell vorliegenden Seniorenkonzept der Stadt realisiert. Die Herausforderung besteht darin, die Stelle mit den vorhandenen personellen Kapazitäten zu besetzen. In diesem Fall wäre es sicher notwendig, dafür an anderer Stelle Abstriche bei der Wahrnehmung von Aufgaben zu machen und zu sehen, um welche Abstriche es sich handeln könnte.

🚒 Gut gerüstet für außergewöhnliche Einsatzlagen

Beim Kreis Groß-Gerau wurden neue Fahrzeuge und Geräte für den Katastrophenschutz in Dienst gestellt. Sie verbessern die Einsatzmöglichkeiten bei Wald- und Vegetationsbränden, Hochwasser sowie anderen Großschadenslagen erheblich. Auch diese Investitionen gibt es freilich nicht umsonst und wir tragen sie über die Kreisumlage mit.

Besonders freut mich daher, dass der moderne Löschroboter künftig in Ginsheim-Gustavsburg stationiert wird. Er kann überall dort eingesetzt werden, wo Einsätze für Menschen zu gefährlich wären – beispielsweise bei Industriebränden oder im Bereich unseres Tanklagers. Unsere Einsatzkräfte werden derzeit intensiv für den Umgang mit dieser besonderen Technik geschult.

Ebenso wichtig ist ein speziell umgebautes Fahrzeug, mit dem im Notfall große Mengen Trinkwasser transportiert und die Bevölkerung versorgt werden können. Solche Investitionen stärken die Sicherheit im gesamten Kreis.

🏭 Austausch mit Hörmann Automotive

Besuch im Rathaus erhielt ich vom neuen kaufmännischen Geschäftsführer von Hörmann Automotive Gustavsburg, Pascal Borusiak.

Gemeinsam mit unserer Wirtschaftsförderung haben wir uns über die aktuelle Entwicklung des Unternehmens ausgetauscht. Besonders erfreulich ist die Aussage, dass der Standort Gustavsburg trotz der Umbrüche im Automobil und LKW-Sektor eine Perspektive hat. Als größter Arbeitgeber unserer Stadt ist Hörmann ein wichtiger Partner, mit dem wir auch künftig im engen Austausch bleiben möchten.

☀️ Gemeinsam die Energiewende gestalten

Auch bei der Generalversammlung der UrStrom Energiegenossenschaft Mainz wurde deutlich, wie erfolgreich gemeinschaftliches Engagement sein kann. Die Genossenschaft entwickelt sich sehr positiv und konnte ihren Mitgliedern erneut eine Dividende auszahlen.

Von den Aktivitäten profitiert auch unsere Stadt. Gemeinsam mit der hiesigen Zweigstelle, der BürgerEnergie Mainspitze, konnten wir zuletzt Photovoltaikanlagen auf städtischen Kindertagesstätten realisieren. Das ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energieversorgung.

🌻 Sommer, Kultur und Ferienspaß

Der Sommer zeigt sich derzeit von seiner schönsten Seite – und mit ihm unser vielfältiges Kulturprogramm. Besonders gefreut habe ich mich, dass die WEINspitze nach der hitzebedingten Absage Ende Juni nun im Garten der Villa Herrmann stattfinden konnte. In entspannter Atmosphäre, bei guter Musik und sogar einem Boule-Turnier wurde einmal mehr deutlich, wie lebendig unser kulturelles Leben ist.

Ebenso beeindruckt haben mich die diesjährigen Ferienspiele unseres Kinder- und Jugendbüros. Rund 240 Kinder verbrachten abwechslungsreiche Ferientage mit kreativen Angeboten, Sport, spannenden Ausflügen und jeder Menge gemeinsamer Erlebnisse. Mein herzlicher Dank gilt Oliver Diehl, Luisa Ferner sowie allen Teamerinnen und Teamern, die mit großem Engagement dieses wichtige Ferienangebot möglich gemacht haben.

🕊️ Abschied von Uschi Hauf

Zum Schluss möchte ich noch einen sehr persönlichen Gedanken mit Ihnen teilen.

Nach dem Tod unseres früheren Ersten Beigeordneten, Stadtschreibers und Heimatforschers Hans-Benno Hauf mussten wir nun auch Abschied von seiner Frau Uschi nehmen. Beide waren weit über viele Jahrzehnte hinaus eng mit unserer Stadt verbunden und haben sich in besonderer Weise für das Gemeinwohl eingesetzt.

Die Worte von Pfarrerin Claudia Vetter-Jung bei der Trauerfeier haben mich sehr bewegt: Hinter starken Männern stehen oft starke Frauen. Hans-Benno und Uschi Hauf waren ein eingespieltes Team. Beiden lag vor allem ihre Familie, aber auch unsere Stadt sehr am Herzen. Unser Mitgefühl gilt ihren Töchtern sowie allen Angehörigen und Wegbegleitern.

Mit der beliebten Reihe „Klassik vorm Anker“ bleibt ein Vermächtnis beider. Letzte Woche durfte ich am Altrhein wieder den Klängen unseres Posaunenchors lauschen. Vielleicht schauen sie an einem der kommenden Sonntage ab 11.00 Uhr einmal vorbei.

Herzliche Grüße

Ihr

Thorsten Siehr

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